Martin Rütter – FREISPRUCH!

Mittwoch, 6. März 2019
20 Uhr
Oberfrankenhalle Bayreuth

mr-live

In seinem neuen Live-Programm „FREISPRUCH!“ hält Martin Rütter ein bellendes Plädoyer für die Beziehung von Hasso und Herrchen.

Hundeexperte Martin Rütter hat 10 tierische Fragen unserer Leser beantwortet

Frage von Nicole B.

Meine Hündin lässt sich nur ungern das Geschirr anlegen. Und wenn sie dann damit unbeaufsichtigt ist, zerkaut sie es. Wie kann ich ihr das an- bzw. abgewöhnen? Die Hündin ist ca. 8 Monate alt. Ich habe sie aber erst seit zwei Wochen. Sie kommt vom Tierschutz aus der Slowakei. Ansonsten ist sie recht unkompliziert, trotz ihrer schlimmen Vorgeschichte.

Mit 8 Monaten ist Ihr Hund gerade im Übergang der Junghundezeit zur Pubertät. In dieser Phase testen Hunde aus, was erlaubt und was verboten ist. Dies gilt natürlich vor allem dann, wenn es noch keine vorherigen Erfahrungen gibt, wie das bei Ihrem Hund aus dem Tierschutz der Fall ist. Haben Sie daher Geduld und verhindern Sie das Zerkauen des Geschirrs, indem Sie es Ihren Hund nur unter Aufsicht tragen lassen. Gewöhnen Sie Ihren Hund in kleinen Schritten an das Anlegen und Tragen des Geschirrs. Legen Sie es ihm dazu erst einmal nur über den Kopf und belohnen Sie Ihren Hund für das Durchstecken des Kopfes mit einem besonders begehrten Leckerli. Danach nehmen Sie das Geschirr wieder ab. Wiederholen Sie diese Übung mehrfach hintereinander, bis Ihr Hund seinen Kopf von sich aus durch das Geschirr steckt. Schließen Sie nun auch den Bauchgurt und belohnen Sie Ihren Hund auch hierfür wieder mit einem Leckerli. Lässt sich Ihr Hund das Geschirr gern an- und ausziehen, lassen Sie es ihn etwas länger tragen. Beschäftigen Sie Ihren Hund dabei, indem Sie ihn z. B. Futterstücke in der Wiese suchen lassen. So vergisst er über diese Beschäftigung sich mit dem Geschirr zu beschäftigen und verknüpft das Tragen des Geschirrs mit einer angenehmen Handlung. Dehnen Sie den Zeitraum nun immer länger aus, indem Sie Ihren Hund nach der Futtersuche noch ein wenig frei laufen lassen.

Frage von Dani D.

Wenn unsere Hündin bei meiner Mutter ist und im Treppenhaus was hört, fängt sie sofort lautstark das Bellen an. Auch wenn sie mal alleine ist. Wie kann man ihr das abgewöhnen?

Ich vermute, dass Ihr Hund nicht bei Ihrer Mutter lebt, sondern sich dort nur zeitweise aufhält? In diesem Fall kann es sein, dass er durch den Wohnungswechsel verunsichert ist. Ihre Mutter muss ihm daher Sicherheit geben, indem sie ihm zeigt, dass sie seine Ängste/Unsicherheit ernstnimmt und sich darum kümmert. Jedes Mal, wenn Ihr Hund bellt, aber auch schon, wenn er nur leise wufft, muss Ihre Mutter daher aufstehen, zur Tür gehen und einmal kontrollieren, dass sich kein gefährlicher Eindringling der Wohnung nähert. Gerne kann sie dabei auch mit Passanten, die an der Wohnungstür vorbeigehen, kurz sprechen und diese sozusagen aktiv weiterschicken. Aus Sicht des Hundes übernimmt Ihre Mutter damit die territoriale Verantwortung, sodass er selbst nicht mehr aktiv werden muss. Ihr Hund sollte dabei nicht mit zur Tür kommen, sondern auf seinem Platz liegen bleiben. Dieser sollte sich in einer ruhigen Ecke z. B. im Wohnzimmer befinden. Das Schicken und Abliegen auf dem Platz muss Ihre Mutter natürlich zuvor mit Ihrem Hund separat trainieren. Je sicherer sich Ihr Hund in der Wohnung Ihrer Mutter fühlt, desto weniger wird er Geräusche aus dem Treppenhaus mit warnendem Bellen kommentieren. Dies gilt allerdings nur für Zeiten, in denen Ihre Mutter anwesend ist. Alleingelassen kann das Bellen weiterhin auftreten, denn dann ist ja niemand da, der diese territorialen Aufgaben übernimmt. Helfen kann hier aber, den Hund möglichst in einem ruhigen Raum – entfernt vom Flur und der Wohnungstür – allein zu lassen, sodass er nicht viele Geräusche von außen wahrnimmt und entspannen kann.

Frage von Daniela P.

Meine Cassie hat Angst und bellt dann alles an beim Gassi gehen – was mache ich falsch?

Das Training von ängstlichen Hunden bedarf viel Geduld seitens des Menschen. Sie müssen Cassie in kleinen Schritten an angstauslösende Situationen/Menschen/Gegenstände gewöhnen und ihr zeigen, dass sie sich vertrauensvoll an Ihnen orientieren kann, da Sie ihr Sicherheit geben und für sie sorgen. Immer dann, wenn Cassie ängstlich bellt, signalisieren Sie ihr, an Ort und Stelle zu bleiben. Trainieren Sie dazu vorab zu Hause in entspannten Situationen das Signal „Bleib“. Schauen Sie sich jetzt in Ruhe den angsteinflößenden Gegenstand an. Danach geben Sie Cassie frei, sie darf nun zu Ihnen kommen und sich den Gegenstand ebenfalls anschauen. Bitte zwingen Sie Cassie aber nicht dazu. Wenn sie nur in einem größeren Abstand an dem unheimlichen Gegenstand vorbeilaufen möchte, ist das auch okay. Je mehr Sie versuchen, Cassie zu dem Gegenstand zu locken, indem Sie z. B. Leckerlis auslegen, desto unheimlicher machen Sie den Gegenstand für Cassie. Denn normalerweise benehmen Sie sich auch nicht so seltsam auf dem Spaziergang, daher muss Cassies Befürchtung, dass es sich um einen unheimlichen und unter Umständen gefährlichen Gegenstand handelt, ja richtig sein. Sie können sich auch in der Nähe des Gegenstandes gemeinsam mit Cassie auf einer Decke niederlassen. Kommt Cassie zur Ruhe, rücken Sie etwas näher an den Gegenstand heran und legen sich dann wieder auf Ihre gemeinsame Decke. So lernt Cassie Schritt für Schritt, in angstauslösenden Situationen zur Ruhe zu kommen und zu entspannen. Auch eine spannende Aktivität kann helfen. Lassen Sie Cassie z. B. hinter einzelnen Futterstücken her jagen, anfangs noch weit entfernt von der angstmachenden Situation. Im Laufe des Trainings fliegen die Futterstückchen dann immer näher in Richtung Angstauslöser bzw. Sie nähern sich beim Training immer mehr dem Angstauslöser an.

Frage von Martina S.

Mein Robin schläft nur noch bei mir im Bett. Wie kann ich ihm das abgewöhnen?

Wenn Sie nicht möchten, dass Ihr Hund bei Ihnen im Bett schläft, müssen Sie ihm zunächst einmal einen Liegeplatz einrichten, an dem er sich gern aufhält. Hunde schlafen gerne mit den Familienmitgliedern zusammen, sodass Sie einen Liegeplatz im Schlafzimmer in einer ruhigen Ecke mit einem gemütlichen Liegekissen einrichten sollten. Zeigen Sie Ihrem Hund nun, dass dies sein Liegeplatz ist, indem Sie auf den Platz schicken und ihn dort belohnen. Üben Sie, dass Ihr Hund dann auch eine längere Zeit dort liegen bleibt. Dies können Sie z. B. tagsüber trainieren, indem Sie sich auf das Bett legen und lesen, während Ihr Hund für einige Zeit auf dem Liegeplatz warten muss. Beginnen Sie dabei mit wenigen Minuten und steigern Sie die Zeit, bis Ihr Hund entspannt auch für ein oder zwei Stunden dort liegen bleibt. Steht er auf und versucht vielleicht sogar, zu Ihnen ins Bett zu kommen, bringen Sie ihn ruhig aber bestimmt wieder auf seinen Platz zurück. Aber Achtung, in diesem Fall dürfen Sie ihn nicht für das Aufsuchen des Liegeplatzes belohnen, da Sie ihn ja für das Aufstehen korrigiert haben. Nun können Sie Ihren Hund auch nachts auf seinen Liegeplatz schicken. Immer dann, wenn er zu Ihnen ins Bett kommt, müssen Sie konsequent sein und ihn wieder zurück auf seinen Liegeplatz bringen. Das kann in den ersten Nächten anstrengend sein, da Sie mehrfach in der Nacht aufstehen müssen. Halten Sie sich jedoch daran und lassen keine Ausnahmen mehr zu, wird Ihr Hund schnell verstanden haben, dass er ab sofort nicht mehr zu Ihnen ins Bett kommen darf.


Frage von Iffets R.

Wenn ich mit meinem Hund nach Hause komme, rennt er ins Wohnzimmer und bellt kurz… genauso bellt er kurz, wenn ich im Wohnzimmer bin und meine Tochter rein kommt. Auch wenn ich meine Tochter vom Bus abhole und er sie sieht… er bellt Schwanz wedelnd und geht vorne nach unten (zum Spiel auffordernd – aber nur draußen). Wie kann ich das Bellen deuten und abwenden?
Ich muss dazu sagen, dass er ein Rumäne ist, der in einer Tötungsstation geboren wurde und dann wohl sehr misshandelt wurde. Bevor er zu mir kam war er schon mal erfolglos vermittelt. Einmal begegneten wir dieser Frau, die er schon von Weitem anknurrte. Er hatte vor allen und jedem Angst als er zu mir kam… das hat sich schon deutlich gebessert.

Hunde bellen aus den unterschiedlichsten Motivationen, wie z. B. zur Begrüßung. Bellt Ihr Hund, wenn Ihre Tochter ins Wohnzimmer kommt, kann dies einfach aufgrund der Aufregung bei der Begrüßung Ihrer Tochter sein. Hunde bellen aber auch, wenn sie sich bedrängt fühlen und Angst haben, wenn sie vor Gefahren warnen wollen oder Eindringlinge ins eigene Territorium melden. Daher unterscheidet man beim Hund begrüßendes Bellen, warnendes Bellen, korrigierendes Bellen, alarmierendes Bellen, es gibt aber auch z. B. ein Spielbellen. Für uns Menschen ist es schwierig, die Unterschiede beim Bellen festzustellen und das Bellen immer genau einzuschätzen. Daher ist es wichtig, die Körpersprache des Hundes in der jeweiligen Situation genau zu beobachten, denn diese gibt, zusammen mit dem Bellen, Aufschluss über die Intention des Hundes. Spielbellen kommt z. B. beim Spiel des Hundes vor, hierzu gehört auch die Vorderkörpertiefstellung, wie Sie sie bei Ihrem Hund beschreiben. Beim begrüßenden Bellen ist der Körper des Hundes weich und nicht angespannt, die Rute wedelt kräftig hin und her, je nach Rasse bewegt sich dabei der ganze Hinterkörper des Hundes. Ob Hunde bei der Begrüßung oder beim Spiel viel und häufig bellen, unterscheidet sich je nach Rasse bzw. ihrer Veranlagung. Bellfreudigen Hunden kann man dieses Bellen daher nur schwer abgewöhnen.

Frage von Andrea K.

Unser Buddy (knapp 9 Jahre alt) will beim Gassi gehen oft den Weg bestimmen. Ihn weiterzuziehen ist leider nicht so einfach, weil er immerhin 55 kg wiegt. Manchmal zeigt er auch unmissverständlich an, dass er mit dem Auto weg möchte, indem er sich vor die Garage setzt. Wie können wir ihm das abgewöhnen?

Offensichtlich hat Buddy gelernt, dass er bestimmen kann, wo es lang geht. Bei einem Hund dieser Gewichtsklasse ist das Training der Leinenführigkeit nicht so einfach. Nutzen Sie daher für das Training ein Ausbildungsgeschirr, wie z. B. das in unserem Shop erhältliche Ausbildungsgeschirr „MR Guide“. Bei diesem Geschirr führen Sie Ihren Hund mithilfe einer Doppelleine. Ein Haken der Leine wird dabei im Ring am Rückenteil des Geschirres befestigt, der zweite im Ring, der sich vorne am Brustriemen des Geschirres befindet. Möchte Ihr Hund nun eine bestimmte Richtung einschlagen, sprechen Sie ihn an und führen ihn mithilfe der am Brustriemen befestigten Leine in die gewünschte Richtung. Das Geschirr verhindert, dass Ihr Hund weiter nach vorne, also in die von ihm gewünschte Richtung laufen kann und führt ihn sanft seitlich weg in Ihre Richtung. Sobald Ihr Hund Ihnen folgt, belohnen Sie ihn dafür, denn nur so wird er Ihnen irgendwann auch an Halsband und Leine gerne folgen.

Frage Anika H.

Mein Labrador-Dalmatiner-Mischling ist 1,5 Jahre alt und beißt bei jeder Gelegenheit in seine Leine. Übersprung oder Unart? Wie kann ich ihm das abgewöhnen?

Mit 1,5 Jahren ist Ihr Hund gerade im Übergang der Pubertät zum Jung-Erwachsenen-Alter. In dieser Phase testen Hunde gerne einmal aus, welche Grenzen sie überschreiten dürfen. Daher kann es sein, dass sich Ihr Hund durch die Leine eingegrenzt fühlt und dieser Begrenzung entkommen möchte, indem er in die Leine beißt. Da die Leine als Verlängerung Ihres Arms angesehen werden kann, können Sie Ihren Hund hierfür durchaus korrigieren. Parallel dazu müssen Sie ihm aber zeigen, dass die Leine nicht nur Einschränkung bedeutet, sondern von ihm positiv wahrgenommen wird. Nutzen Sie dazu eine etwas längere Leine und starten Sie an der Leine kleine Spiele, die Ihr Hund spannend findet, wie z. B. eine Suche nach Leckerlis oder ein kleines Apportierspiel. Es kann aber tatsächlich auch sein, dass Ihr Hund aufgrund der Ablenkungen überfordert ist. Trainieren Sie in dem Fall die Leinenführigkeit zunächst in kleinen Schritten ohne Ablenkung. Belohnen Sie Ihren Hund für richtiges Verhalten, also für ruhiges Laufen an der Leine ohne in diese zu beißen. Steigern Sie die Schritte und die Ablenkung nur so, dass Ihr Hund nicht wieder überfordert ist und erneut beginnt, in die Leine zu beißen.

Frage von Julia S.

Unser Hund, ein Appenzeller Sennenhund, fängt von jetzt auf gleich, ob an der Leine oder im Spiel bzw. teilweise einfach so, das Beißen an. Bis jetzt hat er es sogar bei der Trainerin gemacht. Nur bei meiner Mama nicht, die den ganzen Tag mit ihm zusammen ist. Seit Kurzem hat er angefangen auch andere Hunde zu beißen. 
Wir sind ratlos. Die einen meinen, er braucht mehr Aufgaben/Beschäftigung, die anderen meinen, dass er zu viel Reizeinflüsse hat und nur noch im Haus oder Garten sein darf.

Appenzeller Sennenhunde sind sehr aktive Hunde, die tatsächlich ausreichend Beschäftigung brauchen. Diese sollte dabei zum einen die Möglichkeit der körperlichen Auslastung bieten, denn diese Hunde sind sehr kraftvolle, robuste Hunde, die ursprünglich zum Treiben von Herden eingesetzt wurden. Allerdings ist geistige Auslastung genauso wichtig, bei welcher der Hund zum einen lernen sollte, Reize auszuhalten, aber auch auf die Signale des Menschen zu achten. Daher bietet sich für diese Rasse z. B. ein gut aufgebautes Treibball-Training an, bei welchem der Hund einen Ball auf das Signal des Menschen vor sich her bzw. in eine bestimmte Richtung treibt. Dieses Training kann dann auch gut als Impulskontroll-Training genutzt werden, bei dem Ihr Hund lernt, Reize auszuhalten. Neben einer gezielten Auslastung ist aber auch wichtig, dass Ihr Hund genug Ruhephasen hat. Achten Sie daher immer auf genug Pausen und Ruhezeiten.

Appenzeller Sennenhunde setzen gern die Zähne ein, um Forderungen Nachdruck zu verleihen. Dies kommt von ihrer ursprünglichen Arbeit, bei welcher sie das Vieh, welches nicht weiterlaufen wollte, mit kräftigen Bissen in die Fersen vorwärts treiben sollten. Diese Hunde müssen daher von Anfang an lernen, dass ein solches Verhalten gegenüber dem Menschen nicht erwünscht ist. Bereits der Welpe sollte daher schon beim Züchter die Beißhemmung gegenüber dem Menschen erlernen. Da Ihr Hund nun aber auch noch im Umgang mit Artgenossen aggressives Verhalten zeigt, sollten Sie sich professionelle Hilfe bei einem Hundetrainer holen. Ich möchte Ihnen daher empfehlen, sich an eine unserer Martin Rütter DOGS Hundeschulen zu wenden. Der DOGS Coach wird Ihren Hund bzgl. seines Verhaltens einschätzen und gemeinsam mit Ihnen einen Trainingsplan erstellen.

Frage von Ursula G.

Nachdem wir fast alle Ihre Sendungen schon gesehen, viel gelernt und erfolgreich umgesetzt haben, bleibt ein großes Problem. Unser Rüde verhält sich in der Öffentlichkeit leider nicht „anständig“ und bellt extrem, sobald wir uns mit jemandem kurz unterhalten wollen. „Platz machen“-Befehl ausführen, loben und Leckerchen geben funktioniert leider nur ganz kurz, dann beginnt sofort wieder das Bellen.
Was machen wir falsch, wie bekommen wir unser Problem in den Griff? Welchen Rat können Sie uns geben?

Hunde lernen durch Bestätigung. Ihr Hund möchte Ihre volle Aufmerksamkeit und fordert diese daher durch Bellen ein, wenn Sie sich mit anderen Menschen unterhalten. Reagieren Sie nun darauf, indem Sie ihn ein Signal wie „Platz“ ausführen lassen, bestätigen Sie hiermit seine Forderung nach Aufmerksamkeit, vor allem dann, wenn es dafür sogar noch ein Lob und ein Leckerchen gibt. Denn so lohnt es sich für Ihren Hund, immer wieder aufzustehen und zu bellen. Ignorieren Sie daher das unerwünschte Verhalten Ihres Hundes einfach. Dazu dürfen Sie ihn überhaupt nicht beachten, also ihn nicht anfassen, nicht ansprechen, nicht einmal anschauen. Jede Reaktion, sogar ein Wegdrehen oder auch ein Schimpfen, zeigt Ihrem Hund, dass Sie seine Forderung wahrgenommen haben. Zwar haben Sie noch nicht genau so reagiert, wie er sich das vorgestellt hat, es gab also noch nicht die volle Aufmerksamkeit oder sogar eine Belohnung, aber zumindest haben Sie ja offensichtlich bemerkt, dass er etwas von Ihnen möchte und damit scheint er ja auf dem richtigen Weg zu sein. Das Training kann nun anfangs sehr anstrengend sein, da Ihr Hund vermutlich erst einmal für eine längere Zeit bellen wird. Irgendwann jedoch wird er merken, dass er mit seinem Verhalten keinen Erfolg mehr hat und wird dieses einstellen. Warten Sie dann noch einen Augenblick, anfangs nur kurz, später dann auch immer länger. Loben Sie ihn kurz und beenden Sie das Gespräch. Schritt für Schritt verlängern Sie dann die Zeit, die Ihr Hund ruhig neben Ihnen warten muss, bis er irgendwann auch für ein längeres Gespräch ganz entspannt neben Ihnen sitzen bleibt.

Frage von Heinz B.

Mein Hund lässt Gäste nicht zur Tür rein. Wie kann ich das ändern?

Viele Hunde sind territorial veranlagt und verstehen nicht, dass wir Menschen unsere Türen so gern für Fremde öffnen. Denn das sind aus Sicht des Hundes Gäste – sie gehören nicht mit zur Familie und damit nicht ins Haus. Damit Ihr Hund Ihre Gäste im Haus akzeptiert, müssen Sie ihm zeigen, dass Sie sehr wohl wahrnehmen, dass Fremde hereinkommen, Sie selbst diese aber gut im Griff haben. Richten Sie dazu Ihrem Hund zunächst einen Liegeplatz im Wohnzimmer in einer ruhigen Ecke ein und bringen Sie ihm bei, diesen Platz gern und auch für längere Zeit aufzusuchen. Belohnen Sie ihn dazu anfangs, wenn er den Platz auf Ihr Signal hin aufsucht und steigern Sie dann schrittweise die Zeit, die er dort liegen soll. Anfangs sitzen Sie dabei neben ihm auf dem Sofa, später bewegen Sie sich auch durch den Raum bzw. durch das Haus. Steht Ihr Hund auf, bringen Sie ihn kommentarlos wieder auf seinen Platz zurück und verringern Sie die Anforderungen der Übung beim nächsten Mal. Nun können Sie die Ablenkung steigern, indem Sie Besuch mit einbeziehen. Schicken Sie Ihren Hund beim Ertönen der Klingel auf seine Decke. Um sicherzustellen, dass er dort liegen bleibt, können Sie ihn auch z. B. mithilfe eines Hakens in der Wand oder am Fuß eines schweren Sofas neben seinem Liegeplatz anleinen. Nun gehen Sie zur Tür, begrüßen Ihre Besucher, führen sie in das Wohnzimmer und fordern sie auf, sich zu setzen. Nutzen Sie dabei ruhig Signale, die Ihr Hund kennt. So sieht Ihr Hund, dass der Besuch sich „brav“ an Ihre Signale hält und Sie diesen offensichtlich gut im Griff haben. Sollte Ihr Hund nun bellen, ignorieren Sie ihn einfach. Erst wenn er sich beruhigt und für einige Zeit ruhig auf seiner Decke gewartet hat, darf er, bei Besuchern, die er gut kennt und mag, auch aufstehen und diese begrüßen.